Glossar

 

Ätzgrund: Säurebeständige Deckfirnisschicht aus *Asphaltlack, Wachs o. ä.. Sie wird bei einigen Varianten der *Radierung auf die Druckplatte aufgetragen, um nicht gravierte Stellen vor Säureeinwirkung zu schützen.

Ätzung: Bei der *Radierung: Neben der direkten mechanischen Bearbeitung einer *Druckform (z. B. *Kaltnadelradierung) können farbeaufnehmende, tiefer liegende Linien und Flächen auch durch Ätzung mit einer Säure (z. B. Eisen – III – chlorid) erzeilt werden. Dabei bestimmt die Dauer des Säurebades der *Druckform die Tiefe der Ätzung, somit die Menge der Farbaufnahme und letztlich die Farbintensität des Druckes. Um eine unterschiedlich starke Farbgebung auf einem *Druckträger (z. B. Papier) zu erzielen, kann der Ätzvorgang (also das Säurebad) mehrfach wiederholt werden, wobei nach jedem Bad die bereits ausreichend geätzten Stellen mit *Asphaltlack abgedeckt und damit vor weiterer Ätzung geschützt werden.

A.P. (engl. Artist Print): *Auflage

Aquatinta (ital. aqua forte = Scheidewasser / Salpetersäure, tinta = Farbe): *Tiefdruckverfahren zur Erzeugung von flächigen Farbeffekten. Die *Druckform wird dabei mit Hilfe eines Siebes oder im so genannten Staubkasten mit säurefreiem Asphalt – oder Kolophoniumstaub bedeckt und anschließend von unten erhitzt. Die Pulverpartikel verschmelzen mit der Druckform. Es folgt die Ätzung, bei der die Säure nur in die Zwischenräume der feinporigen Oberfläche dringt. Die so entstandene Aquatintaschicht wird anschließend eingefärbt, wobei die Farbintensität von der Feinheit der Staubkörner, deren Dichte und der Tiefe der Ätzung bestimmt wird. Eine lineare Darstellung auf derselben Druckform kann vor und / oder nach der Aquatinta erfolgen (*Strichätzung, *Kaltnadelradierung).

Asphaltlack: Erdpech, das sich dank seiner Säurebeständigkeit beim *Tiefdruck besonders eignet. Dünn aufgetragen ist der Lack lichtempfindlich. Er ist in Terpentin, Benzin oder Petroleum löslich.

Auflage: Gesamtanzahl der gefertigten Einzelexemplare in der multiplizierten Kunst bzw. *Druckgrafik. Die Auflagenhöhe zu bestimmen ist das Recht des Künstlers. Diese Limitierung soll Künstler und Sammler vor unbefugter Vervielfältigung schützen. Die Gesamtauflage wird in arabischen Ziffern durchnummeriert, und zwar in Form eines Bruchs, bei dem der Zähler die Nummer des einzelnen Exemplars, der Nenner die Gesamthöhe der Auflage bezeichnet (z. B. 25 / 50, Exemplar 25 von 50). Zusätzlich zu dieser Auflage werden oft weitere Exemplare, die so genannten `E. A.´ (Epreuve d’Artiste), `A. P.´ (Artist Print od. Proof), `H. C.´ (Hors de Commerce) und `Künstlerdruck´, für den Eigenbedarf des Künstlers gefertigt. Sie werden meist in römischen Ziffern unter Zusatz eines der genannten Kürzel nummeriert (z. B. II / XXX E. A.). Darüber hinaus erhält im Bereich der Druckgrafik häufig auch der Drucker einige Belegexemplare. Diese werden als p. p. (printer’s proof) bezeichnet.

China Collage: Ursprünglich Bezeichnung für eine Grafik auf Reispapier, die mittels Reisstärke auf einen darunter liegenden *Druckträger (Papier) kaschiert wird. Heute wird darunter generell eine künstlerische *Originalgrafik verstanden, die mit einem darunter liegenden, etwas größeren Papier fest verbunden ist.

Collage (frz.: coller = kleben): Kombination unterschiedlicher Materialien zu einer neuen ästhetischen Einheit. Eine Collage kann als Druckträger verwendet, d. h. bedruckt werden. Andererseits kann durch das Applizieren verschiedener Stoffe auf eine *Druckgrafik eine Collage entstehen. Ob eine Collage der multiplizierbaren Kunst zuzurechnen ist oder als *Unikat zu gelten hat, ist demnach im Einzelfall zu entscheiden.

Colorierung: Farbige Überzeichnung oder Übermalung einer Druckgrafik durch den Künstler.

Druckform: Bezeichnung für das Druckmedium von dem gedruckt wird (z. B. das Lineoleum des *Linolschnittes oder die Metallplatte bei der *Radierung).

Druckgrafik: Bezeichnung für künstlerische Arbeiten auf Papier, die mittels Drucktechniken vervielfältigt werden.

Druckträger: Bezeichnet das Medium, das mit der *Druckform bedruckt wird.

E. A. (frz. Épreuve d’Artiste): *Auflage

E. E. (frz. Épreuve d’Essai): = Probedruck.

H. C. (frz. Hors de Commerce): *Auflage

Heliogravüre (griech. helios = Sonne): Von einer Bildvorlage wird ein rasterloses Halbtonnegativ und davon ein Diapositiv hergestellt, das man auf lichtempfindliches, mit einer Gelatineschicht überzogenes Pergamentpapier kopiert. Dabei werden die vom Licht getroffenen Stellen der Gelatineschicht gehärtet und je nach Intensität des Lichteinfalls in ihrer Dicke verändert. Das so entstandene Gelatine-Relief gibt in seiner Schichtdicke genau die Halbtonwerte des aufkopierten Bildes wieder und lässt die Säure, nachdem das Pergamentpapier mit warmem Wasser abgelöst wurde, beim anschließenden Ätzvorgang unterschiedlich tief in den mit einer *Aquatinta beschichteten *Druckträger (hier Kupferplatte) eindringen. Auf diese Weise kann beim Druck fast die Wiedergabegenauigkeit einer Fotografie erreicht werden.

 

 

 

 

Hochdruck: Druckverfahren, bei dem die druckenden Teile der *Druckform erhaben sind. Nur sie werden eingefärbt, während die tiefer liegenden Partien farbfrei bleiben und nicht drucken. Die bekanntesten Hochdruckverfahren sind Holz -, *Linol -, und Buchdruck.

Kaltnadelradierung: *Tiefdruckverfahren, bei dem das Motiv mit der Radiernadel direkt in die *Druckform geritzt wird. Das herausgeritzte Metall bildet am Rand der Linie Grate (kleine Wölbungen), an denen beim Einfärben der Platte verstärkt Farbe haften bleibt. Das führt beim Druck zu den erwünschten und typischen Unschärfen an den Linienrändern, dem `Kaltnadeleffekt´. Der starke Druck der Presse und die Wischvorgänge beim Einfärben flachen die Grate ab, so dass nur bei einer geringen Anzahl von Drucken dieser Effekt erzielt werden kann. Durch *Verstählen der Platte kann die Auflage erhöht werden.

Künstlerdruck: *Auflage

Kupferstich: Innerhalb der druckgrafischen Verfahren das älteste *Tiefdruckverfahren. In eine glatt geschliffene, mit dünner Firnis – oder Wachsschicht überzogene und anschließend mit Kreide geweißte oder Ruß geschwärzte Metallplatte werden mit dem Grabstichel o. ä. Linien eingegraben. Dort wo der Stichel ansetzt, ist die Furche haarfein, sie verbreitert sich dann unter dem Druck der Hand des Stechers und endet mit Nachlassen des Druckes wieder haarfein. So entsteht die für den Kupferstich typische `Taille´, das wesentliche Unterscheidungsmerkmal zur *Radierung (*Kaltnadelradierung, *Strichätzung), bei der die Linien weitgehend gleich bleibend stark sind. Nachdem das Motiv eingeritzt ist, werden die aufgeworfenen Metallgrate abgeschliffen, die Platte wird eingefärbt und gedruckt.

Linolschnitt: *Hochdruckverfahren, bei dem aus einer Linoleumplatte (Korkmehl, Harz und oxydiertes Leinölfirnis auf Jutegewebe) das Bildmotiv z. B. mit dem Messer, Hohleisen oder Stichel herausgeschnitten wird. Bei einer speziellen Variante des mehrfarbigen Linolschnitts, der so genannten `Verlorenen Form´, wird die Platte nach jedem Druckvorgang weiter bearbeitet und dann zur *Druckform für die nächste Farbe. Die komplette Auflage eines mehrfarbigen Linolschnitts kann so von nur einer Platte gedruckt werden.

Mezzotinto: = *Schabtechnik.

Original: Gebräuchlicher Begriff sowohl für Unikate als auch multiplizierte Kunst, soweit das Urheberrecht beim ausführenden Künstler liegt.

p. p. (engl. printer’s proof): *Auflage

Papier (spätmhd. Papir, von Papyrus): Flächiger Werkstoff v. a. aus Fasern meist pflanzlicher Herkunft, bei Flächengewichten von ca. 170 – 1000 g / m2 als Karton bezeichnet. Die Wahl des Papiers beeinflusst bei allen grafischen Techniken das Ergebnis. Deshalb wurde im Laufe der Zeit eine Vielzahl von Spezialpapieren, z. B. Kupferdruckpapier entwickelt.

Radierung (lat. radere = kratzen, schaben): Ursprünglich Bezeichnung für ein im 16. Jahrhundert aus dem *Kupferstich entwickeltes, der Strichätzung sehr ähnliches Tiefdruckverfahren. Heute wird der Begriff Radierung überwiegend als Sammelbezeichnung für Tiefdruckverfahren verwendet, bei denen von Platten (aus Metal, meist Kupfer, Zink, Aluminium, hartem Kunststoff – Acryl, PVC – oder sogar Glas) gedruckt wird, in die vorher das Motiv geritzt (*Kaltnadelradierung) und / oder geätzt (*Strichätzung) wurde, sowie deren zahlreiche Spielarten (z. B. *Aquatinta, *Schabtechnik, *Weichgrundätzung). Von allen druckgrafischen Techniken ist die Radierung die variantenreichste, da ihren technischen Möglichkeiten und Kombinationen kaum Grenzen gesetzt sind. Siehe:

Schabtechnik ( = Schabkunst = Mezzotinto = englische Manier): *Tiefdruckverfahren, *Radierung bei dem nicht wie sonst üblich Vertiefungen in die Druckform geritzt oder geätzt werden, die nach dem Einfärben und Drucken als dunkle Linien und Flächen auf hellem Grund stehen, sondern bei dem von Dunkel nach Hell gearbeitet wird. Die gesamte *Druckform, in der Regel eine Metallplatte oder *Aquatinta, wird mit einem Wiegemesser, dessen bogenförmige Scheide geriffelt ist, bearbeitet. Dies geschieht durch kräftige Schaukelbewegungen in alle Richtungen und wird so lange fortgesetzt, bis die Druckform gleichmäßig und eng mit kleinen Vertiefungen übersät und damit aufgerauht ist. Anschließend wird das Motiv mit einem Schabeeisen herausgeschabt, d. h. die jeweiligen Stellen werden – mehr oder weniger – geglättet. Durch Nachbehandlung mit einem Polierstahl können die Vertiefungen auch ganz entfernt werden, so dass beim Druck keine Farbe mehr haftet und das unbedruckte Papier oder der Plattenton erhalten bleibt. Mit der Schabtechnik werden tonige Flächenübergänge und damit malerische Wirkungen erzielt. Siehe: The Mezzotint, History and Technique, Carol Wax, Verlag Harry N. Abrams, 1996.

Siebdruck: Druckverfahren, bei dem die *Druckform aus einem siebartigen Gewebe besteht, das beim künstlerischen, anders als beim industriellen Siebdruck in der Regel über einen Rahmen gespannt ist. Auf diesem Sieb wird ein Bildmotiv derart festgelegt, dass diejenigen Partien durchlässig bleiben, die auf dem *Druckträger (z. B. Papier) gedruckt werden sollen. Abgedeckt wird, was nicht bedruckt werden soll. Ein druckfertig präpariertes Sieb nennt man Schablone. Beim Druckvorgang wird die Farbe mit einer Rakel durch die offenen Stellen des Siebes auf den *Druckträger gepresst. Für jede zu druckende Farbe muss eine separate Schablone gefertigt werden, zu deren Herstellung es eine Vielzahl von Methoden und Materialien gibt. Heute werden am häufigsten Fotoschablonen verwandt. Dafür wird das Sieb mit einer lichtempfindlichen Emulsion beschichtet. Alle lichtundurchlässigen Materialien, die sich zwischen einer Lichtquelle und dem beschichteten Sieb befinden, können auf das Sieb kopiert werden. Die belichteten Partien des Siebes werden dabei gehärtet, d. h. farbundurchlässig gemacht. Unbelichtete Flächen werden dagegen ausgewaschen, das Sieb dadurch geöffnet und farbdurchlässig. Siehe:

Strichätzung: *Tiefdruck, *Radierung. Die *Druckform wird, nachdem sie poliert, entfettet und erhitzt wurde, mit *Ätzgrund überzogen. In diesen Ätzgrund wird mit einer Radiernadel das Bildmotiv geritzt. Danach werden Rückseite und Kanten der Druckform mit *Asphaltlack überzogen. Im anschließenden Säurebad werde die freigelegten, d. h. bezeichneten Plattenpartien – je nach Verweildauer unterschiedlich tief – in die Druckform geätzt. Nach Entfernen des Ätzgrundes wird die Druckfarbe mit Walze und Druckerballen (aus Textilien) auf der erwärmten Platte in die geätzten Vertiefungen gewischt und die plane Plattenoberfläche wieder farbfrei gereinigt. Die in die Ätzrillen gedrückte Farbe erscheint auf dem *Druckträger (meist *Papier) als Linie.

Tiefdruck: Druckverfahren, bei dem die druckenden, also Farbe abgebenden Teile der Druckform tiefer liegen als deren Oberfläche. Unterschieden werde die so genannten kalten oder trockenen und die so genannten warmen oder nassen Tiefdrucktechniken. Bei ersterer werden die Vertiefungen manuell in die Druckformen gearbeitet (*Kaltnadelradierung, Kupferstich, Schabtechnik), letztere sind die Ätzverfahren, bei denen Säuren die Vertiefungen in die Druckform ätzen (*Aquatinta, *Strich -, *Weichgrund -, *Zinkätzung).

Typografie (griech. typos = Druck, graphein = schreiben): Künstlerische Gestaltung eines Drukerzeugnisses durch die bewusste Wahl von Schrifttype, Satzspiegel, Format, Papier etc. mit dem Ziel eines ästhetischen Gesamteindrucks.

Unikat: Nur in einem einzigen Exemplar hergestelltes Kunstwerk.

Vernis mou (frz. weicher Firnis, Lack): *Weichgrundätzung.

Verstählen: Bei der *Radierung, speziell der *Kaltnadelradierung, unterliegt die *Druckform, in diesem Fall eine Metallplatte, einer schnellen Abnutzung durch Wischvorgänge und Pressendruck. Die Platten werden deshalb häufig in einem galvanischen Bad mit einer dünnen Stahlschicht überzogen. Nur diese `Stahlhaut´ nutzt sich im wesentlichen beim Auflagendruck ab, die eigentliche Metallplatte der Kaltnadelradierung selbst ist geschützt. Die Anzahl der Auflagendrucke kann somit erhöht werden.

Weichgrundätzung (Vernis mou): *Tiefdruckverfahren, *Radierung. Die *Druckform, in der Regel eine Metallplatte, wird mit einer weichen, klebrigen Lackmasse überzogen. Drauf wird raues Zeichenpapier gelegt, auf das das Bildmotiv mit Kreide oder Stift gezeichnet wird. Anschließend wird das Papier abgehoben, wobei an dessen Unterseite an den bearbeiteten Stellen die Lackmasse haften bleibt. Das Säurebad ätzt die freigelegten Partien, die so zum Haftgrund für die Druckfarbe werden. Typisch für die Weichgrundätzung ist der weiche Rand der gedruckten Partien, die eher einem Pinsel – als einem Zeichenstrich, wie bei der *Strichätzung, gleichen.

Zinkätzung (Relief – Druck): *Radierung. Ätzverfahren, das dem Hochdruck zuzurechnen ist. Auf eine Zinkplatte (*Druckform) wird mit *Asphaltlack das Bildmotiv aufgetragen. Im anschließenden Bad aus verdünnter Salpetersäure werden die nicht bezeichneten Stellen weggeätzt. Nur die bezeichneten, erhabenen Stellen werden eingefärbt und gedruckt.

 

 

 

 

 

 

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