Juggernaut

Die Götter Indiens blinzeln nie mit den Augen, denn schlössen sie sie, auch nur für kürzeste Zeit, hörte die Erde auf zu sein.

 

 

 

 

 

Hindus, wenn in visueller Kommunikation mit ihren Göttern, praktizieren das so genannte darshana, eine illusorische Interaktion mit den Unsterblichen. Während Manche im Westen die Dinge in einer einzigen Dimension sehen, sieht man sie in Indien in vielen. Das Bild ist gar nicht das, wo der Blick inne hält, sondern vielmehr eine Art Linse, durch die der Blick hindurchgeht.

 

Dieses Indische Konzept des Sehens nimmt eine ganz besondere Intensität an bei einer enormen religiösen Prozession namens Rath Yatra. Dieses Fest findet in Puri, einem kleinen Ort im Süden der Halbinsel, einer der vier heiligsten Stätten Indiens, statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf gigantischen Wägen wird das Abbild des Gottes Jagannath, dem Herrn des Universums, und seines Bruders und seiner Schwester,”spazieren”- gefahren. Von bis zu 4.000 Priestern gezogen, kommen die Götter an die frische Luft.
Allein der Wagen des Jagannath misst 14 Meter in der Höhe, ist 10 Meter breit und rollt auf 16 eindrucks-vollen Rädern.
Eine schier unübersehbare Menge, Pilger und Touristen, drängt sich um die Prozession, die sich nur äußerst langsam fortbewegt: die großen Wägen sind nur schwer zu steuern und, sobald in Bewegung, nur sehr schwer anzuhalten.
Den Gott zu sehen, in der wohl höchsten erreichbaren Form des darshana, ist es, bei seinem Anblick zu sterben. Jedes Jahr aufs Neue werfen sich Männer und Frauen unter die gewaltigen Räder um so zermalmt ihr Leben auszuhauchen.

 

Peter Th. Mayer
Juggernaut
Aquatinta-Radierung von 3 Platten
60 x 30 cm
Auflage 55
2002

 

 

 

 

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