Ludwig von Siegen – Erfinder der Schabtechnik

 

Die Technik

Mit Hilfe eines so genannten Mezzotint-Messers (besser auf Englisch: mezzotint-rocker oder Französisch: berceau, bercer = wiegen) wird die Kupferplatte aufgerauht. Ziel ist es, auf der Platte so viel Farbe wie möglich halten zu können, was im späteren Motiv ein besonders tiefes Schwarz verspricht, und das gelingt eben nur, wenn die “Einbuchtungen” oder “Einkerbungen” tief genug sind. Dazu später mehr.

Im Allgemeinen sind die Platten aus dickerem Kupfer als für – beispielsweise – die Radierung, da sie einem nicht unerheblichen Druck Stand halten müssen. Auch Stahlplatten können verwendet werden. Sie sind zwar noch schwieriger zu bearbeiten, bieten jedoch klarere, präzisere Möglichkeiten der Schabarbeit. Vom weichen Zink und Aluminium wird abgeraten.
Die Kupferplatten sollten sorgfältig vorbereitet werden: Kratzer entfernt man mit Hilfe eines Spezialinstrumets, die Oberfläche sollte spiegelglatt geschliffen und poliert werden. Wie bei allen Intaglio-Techniken sollte man darauf achten, dass die Plattenränder abgeschrägt (facettiert) sind. Gerade hier empfiehlt sich große Vorsicht, da gerade die Kanten eine Gefahr darstellen, Zähne aus dem Mezzotint-Messer zu brechen. Daher facettiert man bei Mezzotint erheblich tiefer/schräger als bei anderen Tiefdruckmethoden. Eine andere Möglichkeit, gebrochene Zähne zu vermeiden, besteht darin, gar nicht erst bis an den Plattenrand zu arbeiten, vielmehr später, mit Hilfe von Roulettes (s.u.), die nicht vertieften Stellen zu “verdunkeln” oder die Platte abzuschneiden.

 

 

 

 

Hier eine Auswahl von Mezzotint-Messern. Ihre Auswahl ist relativ limitiert, Breite und Anzahl der Zähnchen sind ausschlaggebend, auch preislich. Sich hier vor der Anschaffung ein paar Gedanken zu machen, zahlt sich aus.
Man sollte mit diesen Werkzeugen sehr pfleglich umgehen: fehlt nur ein Zahn entsteht eine “Spur”, will sagen: der Druck wird irreparabel fehlerhaft. Diese Zähne sind sehr sensibel und sie wieder schärfen zu lassen sollte man sie nach New York zum Fabrikanten einsenden.

Bevor man zu diesem eindrucksvollen Werkzeug greift, sollte man sich Motiv der Darstellung und Größe der Kupferplatte erneut durch den Kopf gehen lassen, denn die Erarbeitung wird – wie gesagt – Geduld einfordern. Und die Wahl des richtigen Wiegemessers gilt es nun auch zu treffen.

Die richtige Haltung des Wiegemessers ist essentiell.
Von links nach rechts:
korrekt, nicht korrekt, nicht korrekt, korrekt

 

 

Die Wahl des “richtigen” Messers hängt nicht zuletzt vom Motiv der Grafik ab. Es gibt Messer mit 25, 45, 50, 65, 85, 100, 120 und 150 Zähnchen pro Inch.
Grobe Messer
mit 25 oder 50 Zähnchen graben sich tiefer in das Metall ein, ermöglichen somit auch ein tieferes Schwarz und in Folge eine bessere Möglichkeit der Graduation der Abtönungen. Andererseits sind sie aber auch arbeitsaufwendiger. Auch das Einschwärzen und der Druck dieser Platten gestaltet sich im Allgemeinen als schwieriger. Hier wird empfohlen, die Platte zuvor mit einem feineren Messer vorzubearbeiten.
Mittlere Messer (50 bis 100 Zähnchen pro Inch) sind die wohl allgemein Bevorzugten.
Feine Messer (bis zu 150 Zähnchen pro Inch) produzieren kein tiefes Schwarz – was Manchem, der feine Details ausarbeiten will, durchaus entgegenkommt. Jedoch sind Fehler hier sehr leicht erkennbar und es erfordert allerhand Geschick, anfangs die Platte regelmäßig aufzurauen; da verzeihen die anderen Messer mehr Ungenauigkeiten.

Annehmbare und Nicht-Annehmbare  Zwischenräume der Spuren.
Oben links: enge Vertiefungen
Oben rechts: nicht-annehmbar, unregelmäßig
Unten links: Standard
Unten rechts: weite Vertiefungen

 

 

 

 

Welche der beiden korrekten Haltungen des Messers man nun adoptiert (nach Vorne / nach Hinten), hängt von persönlichen Präferenzen und Konstitution ab. Hier beginnt jedenfalls der künstlerische Prozess for real.
Die gleichmäßige Belastung des Messers ist wichtig; das erreichen Manche durch den ausgestreckten Arm, so dass das Messer sich von ihnen fort bewegt, und Andere, indem sie sich über das Messer beugen, und wieder Andere, den Ellenbogen auf den Tisch gestützt.
Der dabei ausgeübte Druck, dem Metall Vertiefungen beizufügen, sollte ausgewogen sein vom Anfang bis zum Ende, und das Messer sollte in einem Schwung vom linken bis zum rechten Ende eingeführt werden. Dabei kann als Regel gelten: je größer der Druck, desto tiefer der Metallkrater.
Allerdings wird man aus einer zu intensiv bearbeiteten Platte nur schwerlich gute Weißtöne ausarbeiten können, außerdem geht dabei oft das Messer kaputt. Bei zu niedrigem Druck rutscht das Messer entweder ab oder hinterlässt kaum Spuren – auch nicht prickelnd.

Hinzu kommt, dass diese Wiegerichtungen variiert werden müssen, und zwar wieder in der gleichen Regelmäßigkeit, so dass eine homogene Oberfläche entsteht. Dabei summieren sich die Winkel auf insgesamt 360 Grad, wie im Folgenden beschrieben wird und allgemein als wohl idiotensicherste Anleitung gilt:

1. Man platziert einen Winkelmesser auf einer der Seiten der Kupferplatte.
2. Mit einem Filzstift zieht man einen 30 Grad Radius (oder auch 15 ° bzw. 45 °, das hängt vom Messer ab und muss ausprobiert werden) über die gesamte Platte.
3. Diese Linie wird als Markierung dienen, an der das Messer endet. Das Messer wird im rechten Winkel zum Strich platziert und senkrecht dazu, in paralleler Bewegung, zum anderen Ende der Platte hin- und herbewegt.
4. Wiederholen Sie diese Arbeit in immer neuen Linien bis die gesamte Platte in der gleichen Richtung mit Einkerbungen bedeckt ist.
5. Zeichnen Sie nun einen 60 Grad Radius, der vom gleichen Ende aus beginnt und wiederholen Sie den Arbeitsgang von 4.
6. Von diesem zentralen Punkt aus werden die Einkerbungen nach und nach gefächert ausgeführt, bis sie die vollen 180 Grad bedecken.
7. Um diesen Kreis zu beenden, platzieren Sie den Winkelmesser nun auf der gegenüberliegenden Seite der Platte und wiederholen Sie den gesamten Prozess.

Eine andere beliebte Methode, die richtige Einkerbung zu erreichen ist, die Platte in Quadrate bzw. ein Gitternetz  oder Raster zu teilen. Hier ist das Vorgehen verschieden, das Resultat jedoch gleich.

1. Wiegen Sie das Messer über die gesamte Platte in vertikaler, senkrechter Richtung.
2. Drehen Sie die Platte um 90 Grad und erarbeiten Sie einen horizontalen Durchgang.
3. Drehen Sie die Platte um 30 Grad, erarbeiten Sie einen neuerlichen senkrechten Durchgang und anschließend einen erneuten horizontalen.
4. Drehen Sie die Platte in so vielen Richtungen wie nötig um den erwünschten Zustand zu erreichen.

Mit einer dritten Methode wird die ganze Geschichte noch einfacher:

1. Wiegen Sie die horizontalen wie senkrechten Durchgänge in jeweils zwei Richtungen: vorwärts und rückwärts.
2. Bearbeiten Sie beide Richtungen in zwei steilen Winkeln dazu, ungefähr 60 Grad, einen auf der linken, einen auf der rechten Seite.
3. Nunmehr wiegen Sie in beiden Richtungen in weichen Winkeln (ungefähr 30 °), einmal zur Linken, einmal zur Rechten hin.
4. Auf die gleiche Weise arbeiten Sie den Rest in mehr oder minder steilen Winkeln aus bis die Platte fertig ist.

Welche Methode auch immer man anwenden mag, es empfiehlt sich, während der Arbeit die erledigten Arbeitsgänge zu notieren. Denn ab irgendeinem Punkt erkennt man das schon Erledigte nur noch sehr schlecht und riskiert, bestimmte Stellen zu tief zu bearbeiten.
Hilfreich dabei ist es, das System auf einen Karton aufzuzeichnen, die Platte mit doppelseitigem Klebeband darauf zu fixieren, und nach jedem Arbeitsdurchgang die erledigte Richtung mit einem Häkchen zu versehen. Dann kann nichts schief gehen.

 

 

 

 

 

 

 

Roulettes

Dem Fachmann sind Roulettes nicht unbekannt, er gebraucht sie auch zu anderen Intaglio-arbeiten, beispielsweise bei Aquatinta, um fehlerhafte Stellen auszubessern bzw. nachzuarbeiten. Auch bei der Heliogravüre – die ja eine Aquatinta ist – findet dieses Instrument Anwendung. Es gibt eine große Auswahl an Roulettes, jeder Kupfergrafiker hat wenigstens ein paar von ihnen in der Schublade.
Auch bei dem Gebrauch der Roulettes sollte man auf einen gleichmäßigen Druck achten.
Ein ganze Platte mit Roulettes zu bearbeiten empfiehlt sich nicht: zu aufwendig und zu anstrengend ist ihr Gebrauch auf größeren Flächen. Auch sperren sie sich und rollen nicht immer gleichmäßig, was zu Strichen führt und längeren Einkerbungen. Schließlich erhitzen sie sich bei intensivem Gebrauch so stark, dass Verbrennungen gut möglich sind. Letztlich kann man sie nicht nachschärfen, muss sie also irgendwann ausmustern. Nichtsdestotrotz sind sie unentbehrlich.

 

 

 

 

 

Die Arbeit an der Kupferplatte

Nachdem nun die Platte zufriedenstellend vorbereitet, die Facetten gesäubert, eventuelles Kupferstaub, Öl und dergl. entfernt sind, beginnt die eigentliche Arbeit.

1. Befestigen Sie die Platte auf der Arbeitsoberfläche um ihr Wegrutschen zu vermeiden.
2. Positionieren Sie das Transparent- oder Pauspapier, das die Umrisse der Zeichnung zeigt, auf der Platte und befestigen Sie es. Vergessen Sie nicht, das Papier umzudrehen, sonst erhalten Sie eine spiegelverkehrte Abbildung.
3. Schieben Sie ein Stück Karbon- bzw. Durchschlagpapier unter dem Pauspapier und befestigen Sie auch dieses.
4. Nun nehmen Sie einen gespitzten harten Bleistift (H) und ziehen die Umrisse ohne großen Druck nach. Benutzen Sie keinen Kugelschreiber oder ähnliches, da dadurch die von Ihnen in langer Arbeit erschaffenen Vertiefungen wieder verschwinden würden. Idealiter nehmen Sie einen Buntstift: er ist relativ weich und Sie sehen, wo Sie schon gezeichnet haben.
5. Heben Sie das Papier hoch und versichern Sie sich, dass alles, was Sie auf der Platte sehen wollen auch dort ist.

Sicher können Sie auch direkt, also ohne Umweg über das Pauspapier, auf die Platte zeichnen, auch hier empfiehlt sich geringer Druck. Dazu können Sie Bleistifte oder auch Filzstifte benutzen (die jedoch schnell ausfransen), und selbst eine Kaltnadel dient hier manchmal. Alternativ dazu gibt es auch die Möglichkeit, die Umrisse bzw. Linien in die Platte einzuätzen bevor man mit der Arbeit des Wiegemessers beginnt.

Das Schaben

Die anschließende Schabarbeit wird mit Schabmessern ausgeführt. Hier eine Auswahl:

 

 

 

 

 

Aber auch ein Polierstahl kann zu Hilfe genommen werden. Welches Instrument man benutzt, kommt auf das Bildmotiv an, die Art der Plattenvorbereitung bzw. der Schabung, die Härte des Kupfers etc. Sicher können aber auch beide Instrumente in Kombination hergenommen werden.
Der Schaber entfernt die aufgerauhte Fläche ebenmäßiger und gründlicher. Dadurch wird auch die gewünschte Grauabstufung gleichmäßiger. Der Polierstahl seinerseits drückt die Aufrauhungen nach unten, hinterläßt jedoch kleine tiefe Stellen, in denen die Farbe verbleibt. Zwar kann man diese Unterschiede später, beim Einschwärzen der Platte, in gewisser Hinsicht ausgleichen. Eine Testplatte anzufertigen, beide verschiedenen Techniken bzw. deren Resultate wirklich zu unterscheiden, wird empfohlen. Letztlich ist die Arbeit mit dem Schaber aber effizienter.
Es dauert jedoch auch länger, die Arbeit mit dem Schaber zu erlernen. Beherrscht man dieses Instrument, geht die Arbeit im Allgemeinen erheblich leichter von der Hand. Grundsätzlich müssen alle Schaber vor dem ersten Gebrauch zugeschliffen werden, denn sie tragen oft noch Spuren ihrer Anfertigung. Es ist eminent wichtig, die Schaber immer gut geschliffen zu halten. Dazu benötigt man einen Schleifstein erster Güte. Die besten, die ich kenne, kommen aus Arkansas, USA. Es gibt sie in verschiedenen Härtegraden; die weichen Steine werden benutzt, den Winkel des Schabers zu bestimmen, die härteren, das Metall zu schärfen. Die dunklen bzw. schwarzen Steine werden für den Feinschliff hergenommen. Stets sollte der Schleifstein mit einem leichten Öl benetzt werden, denn schwerere Öle (wie “3-in-one”) verstopfen die Poren des Steines und zerstören ihn letztlich. Man kann die Steine auch mit Wasser nässen, sollte danach jedoch das Instrument gut trocknen (Gefahr der Rostbildung).
Bevor man den Schaber auf den Stein setzt, überprüfe man bitte, ob sich darauf Kupferpartikel befinden, die sich im Stein verfangen würden. In kreisenden Bewegungen beginnt man nun, das Metall auf dem Stein sachte zu bewegen. Man benutzt dazu die gesamte Oberfläche des Steines um unregelmäßige Abnutzung zu vermeiden. Mit der Zeit gehen kleine Partikel vom Schaber ab: man sollte das Öl rgelmäßig wechseln, bzw. mit einem Lumpen abwischen und ein paar Tropfen neuen Öls auftröpfeln. Nach der Arbeit wird der Stein ordentlich gereinigt, dann und wann gründlich mit Wasser und Seife gesäubert.
Um sich an den scharfen Kanten des Schabers nicht zu verletzen, kann man mehrere Lagen Klebeband um diese Stellen wickeln.
Die verschiedenen Winkel, in denen Sie den Schaber während der Arbeit halten, wirkt sich natürlich direkt auf Ihre Platte aus. Auch hier gilt wieder: Erfahrung macht den Meister. Jedenfalls sollte bei jedem “Strich” etwas Kupfer von der Platte entfernt werden. Ist das nicht der Fall, ist das Instrument nicht mehr scharf und poliert die Platte anstatt sie zu bearbeiten. In regelmäßigen Abständen sollten die Kupferpartikel, die man abgekratzt hat, von der Platte entfernt werden.
Die Feinheit Ihrer Arbeitsweise schlägt sich natürlich direkt im Resultat nieder. Daher wird vor zu großem Druck abgeraten. So wird, nach und nach, die Platte aufgehellt. Stellen, die vollkommen weiß sein sollen, werden zusätzlich poliert. Um eine gleichmäßige Grauabstufung zu erhalten, empfiehlt es sich, die Platte zu drehen und sie von verschiedenen Richtungen her zu bearbeiten.
Die Arbeit mit dem Polierstahl unterscheidet sich nur wenig von der mit dem Schaber. Auch hier gilt der Erfahrungswert, die Geduld und die Ausdauer. Arbeitet man mit beiden Instrumenten auf der gleichen Platte, sollte jedoch noch mehr Acht darauf gegeben werden, die abgezogenen Kupferpartikel regelmäßig zu entfernen. Zu schnell ist eine Schliere entstanden, die auszubessern viel Zeit in Anspruch nimmt.
Ob Sie nun von Hell nach Dunkel oder von Dunkel nach Hell arbeiten, bleibt Ihren persönlichen Präferenzen überlassen. Sie werden schnell feststellen, dass sich eine gewissenhafte und gründliche Aufrauhung der Platte mittels Wiegemesser zuvor sehr positiv auf Ihre Schab- oder Polierarbeit auswirkt.
Um den Fortgang der Arbeit zu überprüfen, lege ich ein Blatt Transparentpapier auf die Kupferplatte: die Tonalitäten lassen sich so gut feststellen. Ab und zu sollte man die Platte mit einer Wasser-Essig-Lösung abwaschen, denn durch den Kontakt mit der Haut oxidiert der Kupfer und wird matt bzw. grünstichig, was die Evaluation Ihrer Arbeit erschwert. Gegen Ende der Arbeit schwärzen viele Künstler die Platte ein, als würden sie einen Druck anfertigen: dies dient jedoch noch immer dazu, die Situation besser einschätzen zu können. Die Farbe sollte hier mit Öl (Safranöl, Petrol) gestreckt werden, um die Trocknung zu verzöger; denn es ist sehr schwierig, eingetrocknete Farbe aus einem Mezzotint zu lösen. Diese Methode ist jedoch mit so vielen  Nachteilen verbunden, das gemeinhin von ihr abgeraten wird.

Hier nun der Arbeitsplatz eines “Schabers”. Die Kupferplatte in der Mitte, zur Linken der Schleifstein, im Kasten u.a. Öl für den Schleifstein, zur Rechten zwei Schabeisen. Der Arbeitsplatz wird vor direktem Sonnenlicht geschützt, um Spiegelungen zu vermeiden. Dazu wurde ein verstellbares, mit Transparentpapier bespanntes Gestell eingerichtet.

 

 

 

 

 

 

 

Der Druck

Das Einschwärzen, Wischen und Drucken einer Mezzotint-Platte sind genauso Teil des kreativen Prozesses wie das vorherige Wiegen, Schaben und Polieren.
Grundsätzlich wird dazu geraten, sich die nötigen Kenntnisse anzueignen, die Platte mit eigener Hand drucken zu können. Auf die Herstellung, Konsistenz, Pigmentierung etc. der verwendeten Farben werden wir in einem eigenen Artikel eingehen. Nur so viel: das Wischen einer geschabten Platte ist wieder Erfahrungssache. Jedoch sollte man zu klebrige Farben vermeiden – das Wischen gestaltet sich zu schwierig. Denn Mezzotint-Platten (im Grunde ja eine Kaltnadel) halten erheblich mehr Farbe als beispielsweise Strichätzungen. Hier gilt es, eine ausgewogene Mischung zu erhalten, indem man die richtige Menge Öl der Farbe zuführt.  Auch das so genannte “Easy Wipe” kann verwendet werden, um eine bessere Wischbarkeit zu erreichen. Bei Platten, die sich durch den wiederholten Druck abgenutzt haben bzw. zu stark geschabt wurden, fügt man ein schwereres Öl hinzu, denn in diesem Falle will man erreichen, dass das Öl klebriger wird. Und auch hier wieder: selbst die klimatischen Bedingungen wirken sich auf das WIschen der Platten aus.

Einfärben der Platte

Um eine geschabte Platte einzuschwärzen (dieser Ausdruck ist etwas unpräzise, er gilt auch für farbige Tinte), eignet sich am besten ein weicher Roller. Da Mezzotint-Platten sehr empfindlich sind, vermeidet man den Gebrauch von Karton oder anderen Hilfsmitteln, Farbe auf die Platte zu bringen. Plastik sollte man unbedingt vermeiden, das Risiko, das Bild zu zerkratzen ist zu groß. Das anschließende Wischen unterscheidet sich nicht großartig von den anderen Intaglio-Methoden. Hier soll erneut betont werden, dass das Wischen ausschließlich mit (Seiden) Papier eine Unsitte darstellt und von Dilettantismus zeugt. Wer das Wischen mit der Hand (a palma) nicht beherrscht, sollte seinen  Kittel an den Nagel hängen und nach Hause gehen.
Wie auch bei Aquatinta kann man bestimmte Stellen der Platte mit einem zurechtgerollten Stück Stoff selektiv, d. h. an bestimmten Stellen wischen, an denen man mehr Farbe entfernen möhte. Last but not least empfiehlt sich die so genannte Retroussage: ein Nylonstrumpf oder dünner weicher Stoff wird zart über die fertig eingeschwärzte Platte gestrichen – die Farbe dringt etwas aus den Vertiefungen heraus, der Druck wird “saftiger”.

Das Papier

Papier für Mezzotint-Drucke sollte etwas dicker, bzw. schwerer sein als für – beispielsweise – Strichätzungen. Auch dem Thema Papier – ein fürwahr sehr wichtiges und umfassendes – werden wir einen Artikel widmen. Schreiben Sie sich bei Kontakt für unseren Newsletter ein und Sie sind immer auf dem Laufenden.

Dass gerade Mezzotint-Platten nach Abschluss des Druckes sehr gründlich gesäubert werden müssen, versteht sich: sollte die Tinte eintrocknen, riskiert man den Verlust der Platte und hat die ganze Arbeit umsonst gemacht.

Das Thema Mezzotint ist hier noch längst nicht beendet. Wir werden in Zukunft diesen Artikel erweitern, um die gesamte  Technik ausführlich darzustellen. Korrektur von Platten, der Gebrauch von Strichätzung, Kaltnadel oder dem so genannten Criblé, das Hinzufügen von Aquatinta, fotografische Prozesse und natürlich der Einsatz von Farbe werden in Kürze diesen Artikel vervollständigen. Wer jedoch des Englischen mächtig ist, sollte sich unbedingt das Buch von Carol Wax (s.u.) zulegen, das auf diesem Gebiet unübertroffen ist.

Dieser Artikel beruht auf Texten von Frithjof Schwartz, Landesmuseum Mainz, und Louis de Laborde. Abbildungen und Kommentare entnahmen wir dem sehr zu empfehlenden aber leider nur schwer erhältlichen Buch „The Mezzotint“ von Carol Wax (ISBN 0-8109-3603-8, Harry N. Abrams, New York 1990).

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