Männer mit Eigenschaften

 

 

 

 

 

 

Es sind stets „Männer mit Eigenschaften,“ wahre Individualisten, freiheitlich, grenz-überschreitend denkende Menschen, die mich faszinieren und mit deren Schaffen und Schicksal ich mich in meinem Werk intensiv auseinandersetze. Bronislaw Malinowski, Rupert Sheldrake, Rabindranath Tagore, Giordano Bruno, Raphael, Constantínos Caváfis, Georges Bataille oder Karl der Kühne von Burgund sind ein paar der Themengeber meiner künstlerischen Arbeiten.

 

Verwegenheit, Wagemut, Todestrotz: Alle diese Männer vereint eine ungeheuerliche Lust am Leben.

Ihre Selbstwahrnehmung, verbunden mit ihrer sehr sinnlichen, einfühlsamen Perspektive der Welt, macht diese so widersprüchlichen Personen für mich zu wirklichen Heroen.

Dünkelhaft und zugleich neugierig (Malinowski), weltfremd und am Puls der Zeit (Sheldrake), aktiver Vermittler größter Veränderungen und autistischer Eigenbrötler (Tagore), stolzer Herrscher und demütiger Sünder (Karl),  animistischer Visionär und nachlässiger Gelehrter (Bruno), neoplatonischer Papist (Raphael) oder dem Altertum zugewandter Avantgardist (Caváfis) – die Ambivalenz dieser Akteure könnte größer nicht sein.

Organ IV, ca. 1995
18 x24 cm
Strichätzung
Auflage 40

 

 

 

 

 

Zu Beginn steht immer eine Initialzündung: die dunkle Seite der menschlichen Natur bzw. das mit den menschlichen Irrungen und Wirrungen geschlagene Subjekt, mit dem ich mich identifiziere.
Im Folgenden nähere ich mich diesen Protagonisten, studiere ihre Arbeiten, verfolge ihr Wirken, analysiere sie methodisch, versuche, mich in sie hineinzuversetzen, ihre Gefühle, ihre Gedanken, ihren Antrieb nachzuvollziehen. Ich verfolge ihre Spuren, ihre Identitäten, versuche, ihre Vorstellungswelt zu begreifen. Ich dekonstruiere sie, seziere sie; darauf setzt eine Art Fermentierung ein.
Auf diese vorbereitende, größtenteils theoretische Arbeit folgt die Skizzierung, die Formfindung für die nun beginnende grafische Umsetzung meiner Recherchen. Neue Sinn- und Bildzusammenhänge entstehen, eine Symbiose findet statt, die Annäherung wird zu Vertrautheit. Aus dieser sehr persönlichen Auseinandersetzung entsteht schließlich das Kunstwerk.

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